Neulich auf einer der ewigen Busfahrten durch die Stadt, haben wir uns überlegt, was wir am Alltag in den Vereinigten Staaten, nicht unbedingt (aber auch), speziell in San Francisco besonders...
Neulich auf einer der ewigen Busfahrten durch die Stadt, haben wir uns überlegt, was wir am Alltag in den Vereinigten Staaten, nicht unbedingt (aber auch), speziell in San Francisco besonders mögen und aber auch nicht mögen. Zunächst hatten wir Schwierigkeiten bedeutende Dinge zu finden, aber nach und nach sind wir durch Gegenüberstellungen gut auf einen Haufen Sachen gekommen, die wir am Alltag in Berlin grundsätzlich besser oder schlechter finden. Wir teilen mit euch heute: Fünf Dinge, die ich an dir hasse.
5. Einkaufen
Es ist das, was jeder Amerikabesucher einem zuhause erzählt: Die Supermärkte sind riesig und es gibt mehr Sorten von rosa Marhmallow-Cornflakes als in Deutschland Pflegeprodukte für Frauenhaut. Naja, also hier in unserer Gegend, gibt es auch “normal große” Supermärkte. Auffällig ist jedoch, dass die Portionen und Packungen wirklich deutlich größer sind, und dass Lebensmittel, die qualitativ tendenziell hochwertiger sind, sich gleich deutlich im Preis abheben. Ja, es stimmt, dass Bierflaschen hier im Schnitt 1 Liter haben, und man sonst direkt ein 12er Pack Coladosen mitnimmt. Ein “Fäßchen Margarine” hat auch zwei Kilo. Wer kleine Mengen kauft, zahlt automatisch unglaiblich viel drauf. Wir haben unseren Berliner Einkaufsrhythmus hier aufrechterhalten und sind alle 3-4 Tage für etwa 30 Dollar einkaufen, was ein Witz ist gegen die Muttis um uns rum, die zwei(!) volle(!!) Einkaufswagen (einen vor sich her schiebend, einen hinter sich ziehend) durch die Kasse zirkeln. Gut, uns fehlt das große Auto und der Nachwuchs, der die Lebensmittel verzehrt – aber Dosenfleisch kauft man nunmal im Zehnerpack mit 70% Nachlass. Qualitativ hochwertige Produkte sind deutlich teurer, gerade bei Milchprodukten fällt uns das immer auf: Echte Butter kostet pro Pfund mindestens 5 Dollar – nix mit 1 EUR, wie in Deutschland. Was ungesünder ist, ist tendeziell eher billiger – wer gut essen will, zahlt drauf. Obst und Gemüse sind in Kalifornien gut zu haben, an den Straßenecken bei den Mexikanern ist alles aber sehr billig, aber wohl eher nicht nachhaltig erzeugt.
Insgesamt kann man aber alles einkaufen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Um uns herum sind drei “große” Supermärkte: Einer nur-bio/vegetarisch (sehr teuer), einer gut sortiert und voll ausgestattet (wie “Kaisers”) und einer für die … ähem … breiten Massen.
Interessant sind noch die Trinkgewohnheiten: Quasi keine Säfte, nur in ausgewählten Läden. Alles andere “fruchtige” sind Limonaden, die es in tausend Sorten, mit und ohne Zucker in großen und übergroßen Flaschen gibt. Wasser gibt es hier fast ausschließlich “still”, es gibt nur ganz wenige Sorten, die mit Kohlensäure versetzt sind. Bier gibt es zu deutschen Preisen und reichlich und aus allen Herren Ländern, nicht wie in Deutschland aus einem vergleichsweise “aufgeräumten” Sortiment. Das ist natürlich nicht unbedingt schlecht. Schlecht ist, dass ich Bier in einer Tüte mit nach Hause schleppen muss, eh ich es austrinken darf.
Obwohl San Francisco verhältnismäßig fortschrittlich ist, merkt man bei diesem Einkaufsgewimmel aber doch immer wieder: Wer viel einkaufen kann, produziert auch viel Müll. Zwar versuchen viele große Ketten Plastiktüten zu vermeiden (was auch ganz gut klappt), jedoch ist der Verpackungswahn auch in den USA allgegenwärtig. Das Recyclingsystem hier funktioniert ganz anders – ist aber in San Francisco recht gut ausgeprägt.
4. No Cash – Du bist nichts ohne Kreditkarte
Im Ernst Leute: Fahrt nicht ohne eine Kreditkarte in die Staaten. Die Kreditkarte ist hier alles. Man kauft mit ihr ein, weist sich mit ihr aus, holt mit ihr die Kinotickets ab und mietet sich damit ein Auto. Bei vielen Gelegenheiten wird gar kein Bargeld mehr akzeptiert, insbesondere bei Onlinetransaktionen ist mit Nachname oder auf Rechnung gar nichts möglich. Das liegt wohl auch daran, dass das übliche Girokontosystem wie in Deutschland hier gar nicht existiert. Es scheint nur Sparkonten zu geben – und eben Guthaben auf Kreditkarten.
Man merkt deutlich, dass Plastikgeld im Vergleich zu den grünen Scheinen deutlich lieber gesehen wird. Man kann auch seine Packung Kaugummi mit seiner Visa Karte bezahlen, wenn man will. Grundsätzlich muss man hier immer eine Gebühr zahlen, wenn man am Geldautomaten Cash abholen will. Nur die Kunden der Bank, zu dem der Geldautomat gehört, zahlen (manchmal) nichts drauf. Auch wir Deutschen müssen mit unseren Deutschen Kreditkarten stets so 2 bis 3 Dollar zahlen, wenn wir Geld abheben wollen. Zum Glück unabhängig vom Betrag.
Tja… Kreditkarten. Ich persönlich glaube ja, dass man mit dem Plastikgeld den Bezug zum wirklichen Geld verliert. Ich glaube, man vergisst, dass man das Geld, was man ausgeben möchte besser, vorher auch verdient haben sollte. Meine Theorie wird gestützt durch die dramatischen Nachrichten vom amerikanischen Staatshaushalt. Hihi!
3. Was muss ich denn jetzt eigentlich zahlen?
Preise im Supermarkt oder im Restaurant sind grundsätzlich ohne Steuern angegeben. Vorher ausrechnen was der Abendbroteinkauf kostet und Kleingeld abzählen is’ nich…
Auf verschiedene Produkte kommen unterschiedliche Steuersätze oben drauf, im wesentlichen so wie in Deutschland, nur dass wir es gewohnt sind, den Gesamtpreis angezeigt zu bekommen. In Restaurants (und in allen sonstigen Einrichtungen, wo man explizit “bedient” wird) kommt auch noch ein ordentliches Trinkgeld oben drauf. Das Trinkgeld in Restaurants sollte allermindestens 10% der Rechnung betragen. Zusammen mit den Steuern macht das Trinkgeld dann häufig aus einem eher teuren Restaurant ein sehr teures. Trinkgeld in diesen Höhen sind wir Deutschen nicht gewohnt, weswegen man zwei Möglichkeiten hat: 1. Sich nicht lumpen lassen und die Kohle raushauen, 2. Knausern und sofort als Tourist erkannt werden. Ich bin davon überzeugt, dass Amerikaner das sofort mit einrechnen – für die ist das selbstverständlich. Wenn man in der Kneipe ein Bier bestellt, zahlt man übrigens den normalen Bierpreis und legt dem Barkeeper automatisch einen Dollar (pro gekauftem Bier) auf den Tresen.
Trotzdem gibt es viele kleine Läden, in denen man den Preis bezahlt, der am (selten vorhandenen) Preisschild prangt. Ich hab noch nicht rausgefunden woran man erkennt, dass die Tax included oder eben nicht included ist.
2. Wie viele Zoll sind eigentlich ein Fuß?
Dies ist ein gesamtamerikanisches Problem: Die ganze Welt hat die Vorteile von metrischen Einheitensystemen erkannt, doch die Amerikaner halten am alten Imperialen Einheitensystem fest. Hendrik ist hier nicht 1,81m, sondern (in etwa) 5 Fuß und 11,3 Zoll, groß. Auch wenn es für Mitteleuropäer nicht so aussieht: Damit habe ich ganz knapp die 6 Fuß verpasst, denn um die Ausgangsfrage zu beantworten: 1 Fuß hat zwölf Zoll. Mit Metern können sie hier wirklich nichts anfangen.
Genauso düster sieht es in anderen Bereichen aus. Größere Gewichte werden grundsätzlich in lb (was “Pfund” bedeutet) angegeben, ein Pfund sind etwa 454 Gramm, umrechnen klappt also einigermaßen. Schwieriger wird’s bei kleinteiligen Angaben: Kleine Gewichte werden immer in Oz, Unzen, angegeben. Eine Unze hat irgendwie um die 28 Gramm. Daher hat ein Pfund genau 16 Unzen. Logisch, oder? Total alltagstauglich. Volumen werden übrigens nicht in Litern, sondern in “Fl Oz”, flüssigen Unzen, angegeben.
Ich kann endlos so weitermachen: Man bezahlt quasi nur mit Banknoten, Münzen haben hier keinen aufgedruckten Wert, sondern nur Namen (“Quarter”, “Nickel”, “Dime”, …) – der Wert steht auch nicht drauf, man muss wissen, dass der Dime zehn mal mehr wert ist als der Penny (= 1 Cent), obwohl die Münze deutlich kleiner ist.
Und hier die Krönung: Temperaturen. Man erwartet Wüstenklima, wenn man liest, dass in San Francisco gerade 69° sind. Gemeint sind aber Grad Fahrenheit, diese steinzeitlichen Temperaturskala, die neben den USA auch noch von den Weltmächten Jamaika und Belize verwendet wird. Um sich zu orientieren reicht es völlig aus zu wissen, dass Wasser bei 212°F kocht und bei 32°F gefriert, dazwischen liegen 180 Abstufungen. Wenn man 100°F Körpertemperatur hat, muss man zum Arzt, bei 69°F Außentemperatur nimmt man lieber einen Pullover mit. Okay, wem das alles zu viel war, mit der einfachen Formel C = (F − 32) × 5⁄9 rückt man alles wieder ins gewohnte Maß.
1. Der öffentliche Nahverkehr in San Francisco
Die Stadt San Francisco hat nicht mal annähernd eine Million Einwohner und doch braucht man gefühlte Ewigkeiten um von einem Ende der Innenstadt(!) zum anderen zu kommen. Um Fünf Meilen (etwa 7,5km) Luftlinie zu überwinden sollte man, je nach Verbindung, schon mindestens eine Stunde einplanen. Woran liegt das? Es gibt quasi keine schnellen Verkehrmittel hier. Die gesamte Innestadt ist mit einem sehr dichten Netz aus Buslinien durchzogen. Diese Busse kommen im Stadtzentrum auch sehr häufig, allerdings selten nach Fahrplan. Ich habe eine App im Handy, die mir die grundsätzlich schnellste Verbindung von A nach B mit den Öffis anzeigt, Problem ist nur: Die Busse halten sich nicht an die Fahrpläne. Ist man auf Anschluss angewiesen, kann man sich so gut wie sicher sein, dass man sich beim zweiten oder dritten Umsteigepunkt auf längere Wartezeiten einrichten muss (oder halt läuft um eine andere Verbindung zu wählen). Die USA sind bekannt dafür, dass quasi alles auf Straßenverkehr ausgelegt ist. So auch hier: Die Innenstadt, die Highways und die Ausfallstraßen sind zu den Stoßzeiten eher Parkplätze als Fahrbahnen. In diesem Verkehr bleiben natürlich auch alle Busse stecken, was zur Konsequenz hat, dass eben kein Fahrplan eingehalten werden kann. Busse fallen häufig aus oder fahren abstruse Umwege oder verkürzte Linien. Hinzu kommt eben die Tatsache, dass das Straßennetz hier in der Stadt schachbrettartig angelegt ist, da die Stadt aber aus tausend Hügeln besteht, und man an jeder Kreuzung anhalten muss, ist alles umso langsamer. Weiterer Nachteil von quadratischen Straßennetzen: Man kann nicht “mittendurch” fahren, sondern fährt einmal in Nordsüdrichtung und steigt dann in Ostwestrichtung um – oder umgekehrt – je nachdem welche Verbindung gerade günstiger erscheint.
Dafür kommt man wenigstens immer weg. Busse halten alle 20 Sekunden an der nächsten Kreuzung. Ein S-Bahnsystem wie bei uns kennt man hier gar nicht. Es gibt ein paar Zug-artige Verkehrslinien, die auch deutlich aus der Stadt heraus führen. Mit denen macht man zwar Strecke gut, aber eben nur aus der Stadt heraus. Innerhalb von San Francisco gibt es nur die BART, die 6 Stationen innerhalb der Innenstadt unterirdisch erschließt, sie führt auch in die Nachbarstädte. Sie kommt einer U-Bahnlinie schon am nächsten. Allerdings liegen vier Stationen der BART im Stadtgebiet direkt auf der zentralen Straße hier, der Market Street. Man kommt also schnell nach Downtown, aber das war’s auch. Idiotischerweise teilt sich die BART diese vier Innestadt-Stationen mit einer unterirdischen Straßenbahn, der Muni-Metro. Davon gibt es ungefähr eine handvoll Linien. Sie befahren außerhalb des Stadtkerns (oberirdisch) einige wichtige Straßen und haben häufig Wegerecht und stecken daher nicht so oft im Stau. Trotzdem halten sie auch an jeder Straßenecke, weswegen man doch nur wenig schneller vorwärts kommt.
Als letzten Punkt möchte ich noch die “historischen” Transportmittel benennen, die hauptsächlich in Downtown unterwegs sind. Jeder kennt die Cable Cars (Quasi-Straßenbahnen, die von Seilen in der Straße auf Schienen gezogen werden); “historic street cars”, also historische (normale) Straßenbahnen sind auch unterwegs. Allerdings sind diese Gefährte immer vollkommen überfüllt und durch ein- und aussteigende Touristen in ihrem Fortkommen stark behindert. Mir tun die Einheimischen leid, die wirklich auf diese Linien angewiesen sind, denn: Wo ein Historic Street Car fährt, gibt es keine Buslinien.
Aus irgendeinem Grund rühmen sich die San Franciscans damit eins der besten Nahrverkehrssysteme Nordamerikas zu haben, was mich in große Angst versetzt, wenn ich an unseren nächstwöchentlichen Aufenthalt in Los Angeles denke. Leute, kommt mal nach Berlin.
Kurzum lässt sich eben sagen: Im Grunde kommt es häufig vor, dass man mit Laufen genau so schnell ist, wie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (abgesehen von der BART), nur dass man sich das Laufen eben lieber spart, weil es in der Stadt ja immer wieder sehr sehr steile Hügel gibt. Also lieber in einen überfüllten Bus einsteigen und Fensterplatz suchen.
Weiter geht’s demnächst mit den Fünf Dingen, die wir an San Francisco mögen.